Stellungnahme zu dem Verbrechen in Sada'a

Als Gründerin und Vorsitzende des „Fördevereins Aktion Jemenhilfe e.V." und der „Jemen Kinderhilfe e.V" halte ich mich jedes Jahr mindestens drei Monate zur Überwachung unserer Projekte im Jemen auf, dies bereits seit 12 Jahren.

Ich habe als Touristin die Region Sada'a  bereits vor 13 Jahren und dann  in der Folge drei Mal besucht.

Ich frage mich, wie es zu dem entsetzlichen Drama überhaupt kommen konnte.
Ich, wie wohl alle im Jemen Tätigen weiß, dass seit 2004 in dieser Region ein heftiger Kampf zwischen dem Stamm der Al Houti, die dort ein eigenes Imamat gründen wollen, und der Armee der Regierung, die dies nat. zu verhindern sucht, herrscht. Aus diesem Grund gilt für die Region nördlich von Amram eine strikte Reisewarnung. Selbst jemenitische Journalisten dürfen nicht nach Sada'a reisen.

Seit ca. 30 Jahren wird dort ein Krankenhaus von einem holländischen Verein betrieben, dessen Mitglieder im Jemen missionieren und eigentlich über die Gefährlichkeit der Region  Bescheid wissen müssen. So frage ich mich wie die Verantwortlichen dieses Vereins und der Bibelschule mit ihrem Wissen und der Verantwortung für die Jungen Menschen, die sie entsenden, umgehen. Wurden die Opfer über die Eigenheiten der verschiedenen Gebiete des Jemen informiert? Welche Verhaltensmaßregeln haben sie erhalten? Wissen sie, dass allein der Versuch zu missionieren in einem Land, in dem die Scharia Gesetz ist, verboten und damit gefährlich ist? (Dem Bekehrten droht die Todesstrafe!) Diese Missionare arbeiten in einem Kriegsgebiet, nahe der Grenze zu Saudi Arabien. Allein dies ist gefährlich, wenn ich mir auch nicht vorstellen kann, dass dieses Verbrechen von Kriegern des Houtistammes verübt wurde. Die Ehre des Stammes lässt es nicht zu, dass Frauen und Kinder verletzt werden.


Von unseren jemenitischen Mitarbeitern weiß ich, dass sich in der Nähe der Grenze viele kriminelle Elemente herumtreiben. Dort blühen Menschenhandel und Schmuggel, Menschen verschwinden spurlos. Hat ein Jemenit dort zu tun, so fährt selbst er nur in schwer bewaffneter Begleitung dort hin.

Ist es Naivität, gar totale Unkenntnis  der Verhältnisse, oder Selbstüberschätzung, der diese Gruppe veranlasst hat ausgerechnet dort ein Picknick zu veranstalten? Auf jeden Fall ist es ungeheurer Leichtsinn.

Unter den Folgen leiden nicht nur die direkt Betroffenen und ihre Familien, sondern auch das jemenitische Volk. Wieder einmal mehr werden Menschen die freundlich und ungeheuer gastfreundlich sind, als Mörder abgestempelt. Das drittärmste Land der Welt, welches die höchste Zahl schwerst verbrannter Kinder hat (Kerosinlampen und Gasflaschen) wird wieder einmal noch mehr isoliert. Die dringend benötigten Touristen bleiben aus. Viele Menschen verlieren dadurch ihre Arbeitsplätze. Die bereits unbeschreibliche Armut steigt weiter.

Auch unsere Projekte werden betroffen sein, denn es wird nun noch schwieriger werden Spenden zu bekommen. Wir werden jedoch weitermachen, die Kranken, Armen und die Kinder nicht im Stich lassen.


Aichach, 17.06.09

Aenne Rappel
1. Vorsitzende des Fördervereins Aktion Jemenhilfe e.V.
1. Vorsitzende der Jemen Kinderhilfe e.V.